Infos zur Technik der Windkraftanlagen
Einen Überblick über die Technik der Windkraftanlagen bietet dieser Wikipedia.org-Artikel.
Ein Film des ZDF beleuchtet die Herausforderungen und Konflikte im Zusammenhang mit dem Windkraft-Ausbau (29 Minuten):
https://www.zdf.de/dokumentation/planet-e/planet-e-streitfall-windenergie-100.html
Ein Reportage-Team des NDR hat die Herausforderungen beim Aufbau eines Windradturmes dokumentiert (28 Minuten):
https://www.ardmediathek.de/video/die-nordreportage/operation-windrad-bau-hightech-und-grosse-huerden/ndr/Y3JpZDovL25kci5kZS9wcm9wbGFuXzE5NjM1OTI3OV9nYW56ZVNlbmR1bmc
Der SWR begleitet den Transport eines Rotorblattes mit einem „Selbstfahrer“ zum Montageplatz (14 Minuten):
https://www.youtube.com/watch?v=kVtWYn4jbOI
Monstertürme im Naherholungswald
Das Landratsamt Böblingen hat im September 2023 öffentlich gemacht, dass für geplante Windparks in Sindelfingen-Darmsheim und Jettingen Windkraftanlagen vom Typ Vestas V172 vorgesehen sind, die eine Nabenhöhe von 175 m und eine Gesamthöhe von 261 m erreichen. Vestas bietet diese Türme seit Ende 2022 auch mit einer Nabenhöhe von 199 m und Gesamthöhe von 285 m an; in jüngerer Zeit werden die Windparkplanungen auf dieses größere Modell umgestellt. Damit wären sie ein Drittel höher als der Stuttgarter Fernsehturm. Eine allgemeine technische Beschreibung der V172 bietet dieses Dokument.
Diese Stromkraftwerke sind heiße Kandidaten auch für das Waldstück BB-14 zwischen Böblingen und Mauren. Bei einem Rotordurchmesser von 172 m wird von den Flügeln eine Fläche überstrichen, die der Größe von drei Fußballfeldern entspricht. Man müsste drei der in den Wohngebieten Grund / Diezenhalde stehenden Hochhäuser übereinander stapeln, um die Größe des Rotorkreises zu erreichen. Allein ein Windradflügel ist mit 84 m Länge größer als der Kamin des Fernheizwerkes auf der Diezenhalde (Höhe 82 m), das bislang höchste Bauwerk auf Böblinger Gemarkung.

Größenvergleich. Sehen Sie das kleine Häkchen zwischen dem vorgesehenen Windrad und dem rechten Baum? So groß sind Sie!
Diese Monstertürme zählen zu den größten derzeit weltweit angebotenen Windrädern für den An-Land-Betrieb. Im Herbst 2023 wurde die erste Maschine verkauft, im Windpark Hoßkirch laufen seit September 2025 sechs solche Anlagen mit einer Nabenhöhe von 175 Meter.
Warum sind die im Kreis Böblingen vorgesehenen Windtürme von solch babylonischer Größe? Weil es ein ausgewiesenes Schwachwind-Gebiet ist! Erst in großen Höhen kann ein Wind erhofft werden, der (bei Glück und dank kräftig fließender Fördergelder) eine halbwegs profitable Stromproduktion gestattet.
Dieses Beschreibung der EnBW für den Windpark Burladingen zeigt am etwas kleinere Modell V162 exemplarisch, wie sich der Investor EnBW einen Bauablauf vorstellt.
Windkraft-Ausbaustand
Die Fachagentur Wind und Solar (früherer Name: Fachagentur Windenergie an Land) hat einen Bericht über die Windenergie-Ausbausituation 2025 veröffentlicht. In Baden-Württemberg wurden in dem Jahr 36 Anlagen neu installiert; die Nabenhöhe lag im Durchschnitt bei 161 m, der Rotordurchmesser bei 155 m und die Leistung bei 5,2 MW. 12 Altanlagen wurden stillgelegt. Insgesamt wurde für Baden-Württemberg zum Jahresende 2025 ein Bestand von 823 Windkraftanlagen ermittelt. In Gesamtdeutschland sind es 29.226 Windräder an Land mit einer installierten Gesamtleistung von 68,1 GW. 3.310 Anlagen mit einer Gesamtleistung von 20,8 GW wurden 2025 neu genehmigt.
Die Internetseite https://windturbinemap.com/ bietet eine Darstellung „aller Windkraftanlagen in Deutschland auf einer interaktiven Karte“.
Die Baden-Württembergische Landesregierung veröffentlicht ein wochenaktuelles Dashboard, aus dem der Windkraft-Ausbaustand ablesbar ist. Stand 26.01.2026 laufen im Land 817 Windkraftanlagen. 183 Anlagen sind genehmigt, aber noch nicht in Betrieb, 1.403 befinden sich im Genehmigungsverfahren, davon 13 im Kreis Böblingen. Weiter 206 Anlagen (davon 8 im Kreis Böblingen) wurden dem Landratsamt vorgestellt, aber es wurde für sie noch kein Genehmigungsantrag gestellt. Im Jahr 2030 sollen im Land 1.400 Windkraftwerke Strom produzieren.
Ebenfalls hat die Landesregierung eine interaktive Karte publiziert, die die bestehenden Windenergieanlagen in Baden-Württemberg anzeigt. Wählen Sie dort links die Filterfunktion, um die Windräder nach Ihren Kriterien auswählen zu können. Neben den oben erwähnten 261 m hohen V172-Tümen bei Hoßkirch finden Sie ähnlich große Anlagen zum Beispiel auf der Münsinger Alb bei Magolsheim (Enercon E175, Höhe 250 m) oder auf dem Kälbling bei Wildbad-Calmbach (Vestas V162, Höhe 247 m). 36 Anlagen vom Typ Vestas V172 sind Stand 29.1.2026 bereits genehmigt, aber noch nicht in Betrieb.
Und wieviel Windstrom gibt es jetzt?
Der Stromgenerator der im Böblinger Wald geplanten Riesenwindkraftwerke ist für 7,2 MW Spitzenleistung ausgelegt. (Das ist viel, im Mittel haben die in Baden-Württemberg bislang errichteten Anlagen 2,5 MW installierte Leistung.) Bei Zubereitung Ihres Sonntagsmenüs mit Rostbraten im elektrischen Backofen, dazu Bratkartoffeln, Gemüse und Soße auf dem Elektroherd, benötigen Sie eine Leistung von 2 bis 3 kW. Unser Anlage kann so ca. 3.000 Haushalte gleichzeitig versorgen – wenn der Wind weht.
Rechnen wir einmal anders. Das stillgelegte Atomkraftwerk (AKW) Neckarwestheim leistete etwa 1.400 MW, rund 200 mal so viel wie unser 7,2 MW-Windrad. Das ist aber nur die halbe Rechnung. Ein Atomkraftwerk liefert über das Jahr gerechnet gut kalkulierbar in etwa 90 Prozent der Zeit den erwarteten Strom, unser Windkraftwerk mangels geeignetem Wind nur in 15 bis 20 Prozent der Zeit. Das eingerechnet, braucht es etwa 1.000 Riesenwindräder als Ersatz für das AKW. Zum Vergleich: In ganz Baden-Württemberg sind derzeit 800 Anlagen mit durchschnittlich 2,5 MW Spitzenleistung in Betrieb, die zusammen etwa ein Viertel Atomkraftwerk ersetzen können. Berücksichtigt man jetzt noch, dass die Lebenszeit eines Atomkraftwerkes 40 Jahre beträgt, die eines Windkraftwerkes aber nur 20 Jahre, so müssen 2.000 Monsterwindräder statt eines AKWs gebaut werden.
Auch das ist noch nicht die ganze Rechnung. Die Vorstellung, irgendwo weht immer Wind und produziert Strom, ist leider falsch. Das weiß unser Bundeswirtschaftsminister. Und weil er nicht will, dass Sie in Flautezeiten bei rohen Kartoffeln am Mittagstisch sitzen müssen, sieht er als Backup-Lösung hoch subventionierte Gaskraftwerke vor, zusätzlich zu den Windrädern. (Siehe hierzu auch unsere Seite „Wirtschaftlichkeit“.)
Wir meinen: Wer die Böblinger Bevölkerung mit verlässlichem Windstrom versorgen will, sollte also gleich ein Gaskraftwerk im Böblinger Wald mit einplanen. Oder wo soll es stehen?
In den folgenden Ausführungen orientieren wir uns an einem Vestas V172-Kraftwerk:
Zurichtung des Geländes
Zum Bau eines Windrades wird eine 250 bis 270 m lange ebene Arbeitsfläche benötigt, die als Kranstandfläche, sowie Montage-, Lager- und Rüstfläche für diverse Komponenten dient. Um sie mit der notwendigen Bodenbelastbarkeit im hügeligen Waldgelände herzurichten, dürfte einiges an Rodungs- und Erdarbeiten notwendig sein. Manche Abschnitte werden nur temporär benötigt, tragen aber den Vermerk „Wiederherstellung im Servicefall notwendig“. Außerhalb dieser Arbeitsfläche wird eine 38 mal 56 Meter große ebene Baustelleneinrichtungsfläche verlangt. Der Landverbrauch pro Windrad-Bauplatz wird unterschiedlich beziffert und liegt im Bereich 8.000 bis 10.000 Quadratmeter.
Die Zuwege müssen für heftigen Schwerlastverkehr eingerichtet sein und ziehen sich für den geplanten Windpark BB-14 kilometerlang durch den Wald. Baugrunderkundungen und -gutachten werden verlangt. Selbst wenn bestehende Forstwege benutzt werden, so müssen sie doch erheblich ausgebaut werden.
Die Bodenbelastbarkeit muss für eine Achslast von 12 Tonnen ausgelegt sein und hunderte von Fahrten bei allen Wettern überstehen. „Schwerlastfahrzeuge sind keine geländegängigen Fahrzeuge“, mahnt der Windradhersteller. „Daher bestehen an die Transportwege besondere Anforderungen nicht nur in Bezug auf die Tragfähigkeit, sondern auch an die Gebrauchstauglichkeit.“ Die Spurrrinnentiefe darf 5 cm nicht überschreiten, es ist von einer Ausschotterung bis 60 cm Tiefe die Rede. Mit Fahrzeuggesamtgewichten von bis zu 160 t sollte gerechnet werden. Die Breite der tragfähigen Fahrbahn muss 4,5 m betragen, das Standardlichtraumprofil wird mit 6 m Breite und 5,5 m Höhe angegeben. Steigungen und Gefälle sollen 7 % nicht übersteigen. Kuppen und Mulden sind nur moderat erlaubt, bei einem vertikalen Radius von mindestens 500 m.
84 m lange und 4,3 m breite Rotorblätter sind an ihren Bestimmungsplatz im Wald zu verbringen. Die Kurven der Transportwege sind dementsprechend raumfressend mit einem Kurvenradius von 70 m spezifiziert. Bei einer 90 Grad-Kurve muss eine Fahrbahnbreite von 7,5 m gewährleistet sein, einschließlich Überschwenkbereich werden gar 24,5 m verlangt. Das dürfte den Wald ordentlich lichten. Wir hoffen, dass der Einsatz von sogenannten „Selbstfahrern“ (siehe den eingangs angegebenen SWR-Filmbeitrag) diesen Raumbedarf reduzieren kann. Ausweichbuchten von 20 x 4 m müssen eingeplant werden, um den Begegnungsverkehr zu bewältigen. In der Nähe des Kranstellplatzes wird eine Wendemöglichkeit verlangt, die zwei Fahrwege von 70 m Tiefe und 8 m Breite erfordert.
„Die Transportwege sind für den kompletten Zeitraum des Windparkprojektes (Aufbau- , Betriebs- und Rückbauphase) auszulegen“, schreibt der Windradhersteller.
Weitere Informationen über Windparkbau im Wald finden Sie auf unserer Seite „Natur“.
Fundament
Klar, dass solch ein Koloss im Böblinger Wald ordentlich gegründet sein muss. Wenn die Bodenverhältnisse es erlauben, wird eine Flachgründung gewählt. Üblich ist ein Stahlbetonfundament mit einen Durchmesser von etwa 25-30 m und einer Tiefe von bis zu 4 m. Eine grobe Abschätzung führt zu einer nötigen Menge von ca. 1.300 Kubikmeter oder mehr als 3.000 Tonnen Beton, was die Anfahrt von gut 150 Betonmischfahrzeugen erfordert. Mit diesem Material könnte man eine mittelgroße Wohnsiedlung errichten. Ein zentraler Bestandteil von Beton ist Zement, bei dessen Herstellung enorme Mengen an CO2 erzeugt werden. Was das bedeutet, haben wir auf unserer Seite „Ökobilanz“ untersucht.
Eine Herausforderung ist der im Baugesetzbuch geforderte Rückbau am Ende der meist 20-jährigen Betriebszeit, wenn die Fördergelder auslaufen. Zwar müssen Finanzmittel für diese Tätigkeiten zurückgelegt werden. Diese sind jedoch häufig zu knapp bemessen, so dass nur der oberste Meter beseitigt wird oder die Arbeit gesetzwidrig ganz unterbleibt. Es bestehe das Risiko, dass der Steuerzahler für die Kosten in Millionenhöhe aufkommen muss, hört man vom Rechnungshof Rheinland-Pfalz. Das Umweltbundesamt befürchtet ebenfalls, „dass sich mittelfristig Finanzierungslücken zwischen den gebildeten Sicherheitsleistungen der WEA-Betreiber, ihren finanziellen Leistungsfähigkeiten und den zukünftig zu erwartenden Entsorgungskosten auftun“ und denkt dabei auch an das aufwändige Recycling der Rotorblätter (siehe unten). Von „explodierenden Rückbaukosten“ spricht auch die Hessische/Niedersächsische Allgemeine (HNA).
Turm und Maschinenhaus
Die Riesentürme werden in Hybridbauweise erstellt; auf Betonsegmente im unteren Teil folgen Stahlrohrsektionen. Der Turmdurchmesser beträgt am Fußpunkt ca. 12 Meter. Darauf sitzt das Maschinenhaus („Gondel“) in den Maßen einer Dreizimmerwohnung (Grundfläche 12 x 6,5 m), aus dem die 6 m lange Rotornabe herausragt. Das Gewicht der Gondel inkl. Nabe und Getriebe beträgt ca. 100 Tonnen. Sie ist drehbar gelagert (Azimut), damit der Rotor in den Wind geführt werden kann. Zur Errichtung eines Turms kalkuliert der Hersteller mit über 60 Schwerlasttransporten.
Die Gondel enthält den Antriebsstrang mit Getriebe, Stromgenerator und Transformator. Es sind je über 1.000 Liter Getriebe- und Hydraulik-Öl sowie 3.000 Liter Transformatoren-Öl vorhanden, was eine signifikante Brandlast darstellt und wassergefährdend ist. In knapp 200 m Höhe kann die Feuerwehr keinen Brand löschen.
Verbaut ist ein Permanentmagnet-Generator. Die Magnete basieren auf einer Neodym-Legierung. Dieses Seltene-Erden-Metall wird fast ausschließlich in China abgebaut und hat den Ruf, bei der Gewinnung erhebliche Umweltschäden zu erzeugen. Die Soziologin Miriam Lang kritisiert den „grünen Kolonialismus“: „Die Länder der Peripherien des kapitalistischen Weltsystems sollen billige Rohstoffe liefern für die Dekarbonisierung der Zentren, um dieses grüne Wachstum zu befeuern. Für die Gewinnung der Rohstoffe wird in immer abgelegenere, fragilere Ökosysteme vorgedrungen, und die Menschen dort verlieren ihre Lebensgrundlage.“ Ebenso die Lieferketten-Expertin Nadja Dorschner: „Wir externalisieren, wir verschieben die Kosten für unsere Energiewende in andere Länder.“ Ob das am 01.01.2023 in Kraft getretene Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz Abhilfe schaffen kann?
Kritisiert wird auch das extrem klimaschädliche SF6-Isoliergas in den elektrischen Schalteinrichtungen, welches bei einer Havarie oder bei schlampigem Recycling entweichen könnte. Das ARD Plusminus Magazin berichtet (9 Minuten). Allein schon die Herstellung dieses Treibhausgases bedeutet ein großes Risiko für die Umwelt. Eine SF6-Produktionsanlage in Bad Wimpfen steht im Verdacht, seit Jahren statt der erlaubten 56 kg jährlich 30 Tonnen des Gases in die Atmosphäre zu blasen. Das entspricht einem Drittel der gesamten deutschen SF6-Emissionen, die Klimawirksamkeit ist vergleichbar mit 720.000 Tonnen CO2. Ein V172-Windrad würde nach Angaben der Stadt Böblingen 7.000 bis 11.000 Tonnen CO2 jährlich „einsparen“, demnach bräuchte es etwa 65 bis 100 Windräder, um allein den Schadstoffausstoß dieser einen Fabrik auszugleichen. „Weitergehende Schritte bis hin zu einer Stilllegung der Produktion waren zu keinem Zeitpunkt rechtlich haltbar“, schreibt das Landesumweltministerium.
Rotor
Üblich ist ein dreiblättriger Rotor als Kompromiss zwischen Windausbeute, Stabilität und Kosten. Das letzte Rotorenwerk in Deutschland wurde 2022 geschlossen und nach Indien verlagert.
Die je ca. 27 t schweren Flügel sind an der Nabe einzeln in ihrer Achse drehbar gelagert (Pitch), womit sie an die Windgeschwindigkeit angepasst und auch angehalten werden können. Der Drehzahlbereich liegt zwischen 4,3 und 12,1 Umdrehungen pro Minute, woraus sich eine Umlaufgeschwindigkeit der Flügelspitzen von bis zu 390 km/h ergibt. Im Standard-Betriebsmodus werden bei 7,2 MW-Volllast 9,5 U/min gefahren. Rund 30 mal in der Minute streicht ein Flügel am Mast vorbei, was ein Wusch-wusch-wusch-Geräusch erzeugt. Die Lautstärke beträgt laut Herstellerangaben 106,9 dB(A). Das entspricht dem Lärm eines Presslufthammers.
Die überstrichene Kreisfläche bestimmt den Stromertrag. Zehn Prozent längere Blätter ergeben 20 Prozent mehr Ausbeute. Jedes Rotorblatt ist mit 84 m etwa so lang und so schwer wie 15 Personenkraftwagen. Es besteht aus glasfaserverstärktem Epoxidharz oder Polyester (GFK) im Verbund mit Karbonfasern (CFK). Über die Betriebszeit stellt sich ein feiner Oberflächenabrieb ein, mit dem gesundheitsgefährdende Mikropartikel, darunter das besonders besorgniserregende Bisphenol A, weit verweht werden. Bei Karbonfasern existieren keine Grenzwerte für die Umweltbelastung. Das Langzeitrisiko einer Erkrankung trägt die Bevölkerung. Wir fühlen uns an die Holzschutz- und Asbestbelastungen in alter Bausubstanz erinnert, die auch erst spät thematisiert wurden und dann zu aufwändigen Sanierungen führten.
Besonders gefährlich wird es im Brandfall, wenn lungengängige Karbonfasern freigesetzt werden. Sie gelten laut Gefahrstoffrecht als „krebserzeugend Kategorie 2, Verdacht auf karzinogene Wirkung beim Menschen“. Der Schadensort muss unter Verwendung von Ganzkörper-Schutzkleidung (NDR-Film, 5 Minuten) sorgfältig dekontaminiert werden.
Die von den Anlagen produzierten Betriebsgeräusche haben wir auf den Seiten „Hörbarer Schall“ und „Infraschall“ untersucht. Weitere von den Rotoren ausgehende Gefahren für Mensch und Tier werden auf den Seiten „Eisabfall“ und „Schutzsysteme“ behandelt.
Entsorgung ungeklärt
Das Recycling der Rotorblätter am Ende der Lebenszeit ist ein bis jetzt ungelöstes Problem. Ein Zerkleinern der demontierten Flügel am Ort des Windrads setzt gesundheitsgefährdende Mikrofasern frei. Derzeit steht neben dem Augen-zu-und-weg-Verschiffen ins Ausland nur das Verbrennen in Zementwerken als Entsorgung zur Verfügung. Für die Zementindustrie werden großzügig Ausnahmegenehmigungen zur Überschreitung der allgemeinen Abluftgrenzwerte gewährt. (Ein Beispiel: Der Verein für Natur- und Umweltschutz Zollernalb hat Informationen über das Zementwerk Dotternhausen zusammengestellt.) Das Umweltbundesamt schätzt, dass bis zum Jahr 2040 ca. 590.000 Tonnen Verbundwerkstoffe aus Rotorenrückbau anfallen, darunter 11.000 Tonnen Karbonfasern. Es sucht verzweifelt nach einer Lösung des Recyclingdilemmas. Derweil lösen deutsche Entsorgungsfirmen das Problem pragmatisch und billig: „Massen von Glasfaser-Abfällen aus Windturbinenflügeln und Flugzeugteilen wurden illegal von Deutschland in eine kleine tschechische Gemeinde transportiert,“ meldet das Informationsportal euractiv.de am 21.01.2025.
Die Fachagentur Wind und Solar hat Anfang 2026 in einer Broschüre den Status Quo des Rückbaus von Windkraftanlagen beschrieben. Das Recycling stehe noch am Anfang einer industriellen Entwicklung: „Die bislang existierenden Verfahren sind technisch machbar, aber wirtschaftlich häufig nur bedingt tragfähig.“ Dies gilt insbesondere für die Rotorblätter. „Für die überwiegend aus Faserverbundkunststoffen (FVK) bestehenden Materialien gab es bis in die 2020er-Jahre keine großtechnische Recyclinglösungen“, schreibt die Agentur. Für CFK-haltige Flügel müssen ausreichende Entsorgungskapazitäten noch geschaffen werden.
Der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages hat 2023 den Sachstand bezüglich des Recyclings von Windkraftanlagen zusammengestellt. ZDF Frontal vom 9. September 2025 berichtet über die Recycling-Probleme von Windrädern (9 Minuten, Beginn des Beitrags bei Minute 22:30). Dieser Film der Deutschen Welle (8 Minuten) und dieser von 3sat (die ersten 7 Minuten) aus 2023 sahen die Situation noch hoffnungsvoller.
Flächenverbrauch
Welche Fläche benötigt ein Windkraftwerk? Kommt drauf an, wie man misst. Der aus der Erde ragende Turmfuß umfasst mitsamt Anbauten eine Fläche von weniger als 200 qm. Betrachtet man die vom Fundament versiegelte Bodenfläche, so sind es etwa 500 bis 600 qm. Unter Einbeziehung der während der Bauphase benötigten Bauflächen kommt man auf 8.000 bis 10.000 qm. Das Landratsamt rechnet mit 8.600 qm, die abgeholzt werden müssen, die BB-14-Kommunen kalkulieren mit 8.200 qm pro Windrad.
Die sich nach dem Wind ausrichtenden Rotorblätter projizieren auf den Boden einen Kreis von 23.000 qm, in dem man „unter“ dem Rad stehen kann. Um im Winter drohenden Eisabfall von den Flügeln auszuweichen, ist gemäß Windenergieerlass der Landesregierung ein Abstand von 1,5 x (Nabenhöhe + Rotordurchmesser) erforderlich, was einen Kreis von mindestens 500 m Radius und damit eine Fläche von 800.000 qm oder 80 Hektar umschreibt. Dieser Bereich muss mit Eisabwurf-Warnschildern kenntlich gemacht werden. (Siehe hierzu auch unsere Seite „Eisabfall“.)
Damit sich die Räder nicht gegenseitig den Wind wegnehmen, muss als Richtwert untereinander ein Abstand in der Hauptwindrichtung vom fünffachen Rotordurchmesser eingehalten werden, in Nebenwindrichtung reicht der dreifache Durchmesser. Beim 172 m-Rotor ergibt sich im Windpark ein Flächenbedarf von 140 Hektar pro Anlage.
Um den Betriebslärm für das Wohnen auf ein halbwegs erträgliches Maß zu reduzieren, sollte gemäß Windenergierlass ein Mindestabstand von 700 m eingehalten werden. Somit macht ein Windrad eine Fläche von mehr als 150 Hektar Land für Wohnzwecke unbrauchbar. Entsprechend groß ist auch das Gebiet im Naherholungswald, in dem mit Lärmbelästigung zu rechnen ist: Es umfasst bei nur einer Anlage schon 80 Prozent des gesamten BB-14-Geländes. Andere Bundesländer fordern einen Mindestabstand von 1.000 m oder gar der 10-fachen Anlagehöhe bis zum Siedlungsgebiet.
Im Umkreis von 1.500 m um eine Windkraftanlage darf gemäß Naturschutzgesetz keine Nisthilfe für kollisionsgefährdete Vogel- und Fledermausarten angebracht werden. Dies ist auch der Mindestabstand, den nach Expertenmeinung Windräder von Rotmilan-Brutvorkommen einhalten sollten, um die Tiere nicht zu gefährden (siehe Seite Natur). Somit beseitigt ein Windrad 700 Hektar Lebensraum für diese Spezies, das ist mehr als das Doppelte des BB-14-Waldgebietes.
Es geht noch mehr: Der Abstand zu Erdbebenmessstationen soll nach Vorgaben des Regionalverbandes 5 km betragen, damit die in den Erdboden eingekoppelten Infraschallvibrationen der Türme die empfindlichen Messgeräten nicht stören. Gleiche Abstandsregel gilt für Wetterradar. Flugverkehrs-Navigationseinrichtungen und Drehfunkfeuer der Flugsicherung können auch im Abstand von 7 km, teilweise sogar 15 km, irritiert werden.
Havarien
Am 22.02.2024 ist bei Dornstadt auf der Alb ein 40 Meter langer Windradflügel abgebrochen und in geringer Entfernung zu Autobahn und Schnellzugstrecke auf einen Acker gestürzt. Solche Fälle sind keine Seltenheit. Im niedersächsischen Rotenburg (Wümme) wurde im Oktober 2023 nach wiederholtem Rotorblattbruch ein ganzer Windpark amtlich stillgelegt. Das NDR-Fernsehen berichtet über die Folgen (5 Minuten).
Wer auf der Plattform youtube.com nach „Windrad Brand“, „Windrad Bruch“ oder ähnlichen Einträgen fahndet, wird reichlich bedient. Die Gestehungskosten eines Windrades sind ein entscheidender Faktor für die Gesamtprofitabilität des Projektes, da wird gern an der Bauwerksqualität gespart. Übrigens: Das Böblinger Windkraftgebiet BB-14 liegt teilweise in der Erdbebenzonen 2. Ob die geplanten Windtürme den möglichen Erschütterungen standhalten?
Im Gegensatz zu den Atomkraftwerken, die einer peniblen technischen Überwachung unterliegen, bei der jede lockere Schraube gemeldet werden muss, gibt es für Windkraftanlagen keine Meldepflicht und kein gesetzliches Schadensregister. Der TÜV rechnet mit 50 gravierenden Schäden pro Jahr in Deutschland. Das ist jährlich eins von 600 Windrädern, welches abbrennt, einen Flügel verliert oder mit abgeknicktem Turm in die Landschaft schaut. Nicht selten wird das weite Umfeld des Turmes dabei nachhaltig kontaminiert.
Von Genehmigungsbehörden angeforderte Gutachten über Bauteilversagen bei Windrädern nennen als Versagenshäufigkeit für Rotorblattbruch (bei eingerechnetem Sicherheitszuschlag) einen Erwartungswert von 0.84/1000 pro Jahr und Anlage. Anders ausgedrückt: Man sollte damit rechnen, dass pro Jahr bei 1 von 1.200 Windkraftanlagen ein Flügel abfällt. Für einen umstürzenden Turm wird die Zahl 1 von 7.700 Windrädern genannt. Häufigster Grund ist Brand nach Blitzeinschlag.
Die Windradhersteller bieten als Option ein industrieübliches Feuerlöschsystem für das Maschinenhaus an, welches im Brandfall Feuer erkennen, melden und automatisch löschen kann. Installiert wird es in der Regel nur, wenn die Genehmigungsbehörde es fordert. Häufig beschränken sich die Auflagen auf das Anbringen eines Handfeuerlöschers zum Schutz anwesender Arbeiter. Das Feuerlöschsystem kann auch keinen blitzverursachten Rotorblattbrand verhindern, welcher bei Überlastung des Blitzschutzsystems (Metallplatten in der Flügelspitze sollen die Blitzenergie einfangen und in ein Erdungssystem überleiten) auftritt. Brennende Rotorblätter oder Teile davon stürzen dann zu Boden – wer auf Youtube danach sucht, wird fündig. Im Waldgebiet BB-14 könnte so bei sommerlicher Trockenheit ein Flächenbrand ausgelöst werden.
Diese Filme des MDR veranschaulichen die an Windrädern vorkommenden Schadensfälle:
(Link zu: Feuer, Eis und Rotorbruch – Wie sicher sind unsere Windgiganten?, 29 Minuten)
(Link zu: Brennende Windkraftanlagen – Wie man in schwindelnder Höhe löscht, 11 Minuten)
Die Bürgerinitiative keine Windkraft im Emmerthal hat dankenswerterweise eine Liste bekannter Stör- und Unfallereignisse an Windkraftanlagen zusammengestellt. Für die Jahre 2022 bis 2025 sind zusammengerechnet 21 Brände, 27 Gondel- oder Rotorblattabwürfe, 2 abgeknickte Türme, 2 Kranumstürze und 114 sonstige Ereignisse (überwiegend Abriss wegen / Reparaturen von Konstruktions- und Fertigungsmängel) verzeichnet, leider auch 2 tödliche Arbeitsunfälle. Wir können keine Garantie für Vollständigkeit und Richtigkeit übernehmen. Das Dokument enthält auch Hinweise über den Umgang mit Karbonfasern im Brandfall.